Thursday, May 22, 2014

029 - Kindische Ängste


Ich hatte nie Angst vor der Dunkelheit. Ich hatte keine Angst vor dem Keller. Ich hab mich nie vor dem Clown in der Zirkusvorstellung gefürchtet oder vor dem seltsamen alten Mann, der am Ende der Straße gelebt hat.

Als ich ein Kind war, war meine einzige wirkliche Angst, verlassen zu sein.

Ich träumte jahrelang vom Tod meiner Familie. In diesen Träumen kam ich von der Schule nach Hause und fand ihre leblosen Körper. Gebissen von einer giftigen Spinne, ermordet von einem Fremden, der aus dem Haus floh, umgekommen in dem Flammen eines Hausbrandes.

Ich dachte immer, ich wüsste, was es bedeutet. Ich dachte, ich hätte Angst davor, allein in der Welt zu sein und die Verantwortung für mein eigenes Leben übernehmen zu müssen. Ich dachte, ich hätte Angst vor der Bürde, mein eigenes Leben tragen zu müssen, Angst davor, zu schwach zu sein, um sie tragen zu können.

Heute, durch Jahrzehnte getrennt von dem Lebensabschnitt, den man Kindheit nennt, aber noch immer nicht erwachsen, erkenne ich, dass diese Träume keine Albträume waren. Sie waren Utopien.
Manchmal ist die wahre Bürde nicht der Verlust eines Menschen, sondern sein Leben, das von deinem abhängt.